PROJEKT

Das Studium Generale hat in den letzten Jahren eine Renaissance in der Hochschullandschaft erfahren. Ziel des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsvorhabens ist es, den Wandel des Studium Generale in der BRD nach 1945 in Zusammenhang mit der sich transformierenden Idee und gesellschaftlichen Funktion der Universität wissens- und bildungsgeschichtlich zu erforschen.

Das gemeinsame Forschungsvorhaben der Professuren für Allgemeine Erziehungswissenschaft/Theorie der Bildung (Prof. Dr. Casale) und Erziehungs-wissenschaft mit dem Schwerpunkt Berufs- und Weiterbildung (Prof. Dr. Molzberger) geht von vier historischen Phasen aus:

  1. Studium Generale nach dem Zweiten Weltkrieg (1945 bis 1964)
  2. Studium Generale in der Zeit des Ausbaus und der Demokratisierung der Universitäten (1964 bis 1977)
  3. Studium Generale an der Massenuniversität (1977 bis 1993) und
  4. Studium Generale nach der Bologna Reform (1993 bis 2015)

Diese Zäsuren werden unter Berücksichtigung des Spannungsverhältnisses dreier Ebenen untersucht: die Begründung und Legitimierung der Idee des Studium Generale, seine bildungspolitischen Verortungen und die institutionellen bzw. curricularen Umgestaltungen des Studium Generale.
Für die Untersuchung wird eine exemplarische Auswahl an Universitäten getroffen, die sich auf die Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen konzentriert.

Das Forschungsprojekt ist als Beitrag zu einer noch ausstehenden bildungsgeschichtlichen und erziehungswissenschaftlichen Erforschung des Studium Generale in der neuesten Geschichte der Universität und als Untersuchung der darin implizierten epistemologischen Transformationen und semantischen Verschiebungen geplant. Das Forschungsvorhaben leistet damit einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftspolitischen und wissenschaftspolitischen Thematisierung der Aufgabe und Leistung der Universität sowohl in ihrer klassisch modernen als auch in ihrer zukünftigen Gestalt.

Forscherinnengruppe

Prof. Dr. Rita Casale
(Projektleitung)

Prof. Dr. Gabriele Molzberger
(Projektleitung)

Dr. Catrin Dingler
(wissenschaftliche Mitarbeiterin)

Elena Tertel M.A.
(wissenschaftliche Mitarbeiterin)

Sophie Pähler B.A.
(studentische Mitarbeiterin)

Kenneth Rösen B.A.
(studentischer Mitarbeiter)

Gudrun Kamp
(Assistenz)

Matina Schürhoff
(Assistenz)

Logo

Die Illustration im Logo des Forschungsprojekts wurde inspiriert durch die Arbeiten des italienischen Materialkünstlers Alberto Burri (1915-1995), insbesondere durch seinen Werkzyklus der Cretti (dt. Risse).

 

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich die Kunst, auch infolge der neuen technischen Möglichkeiten der Reproduzierbarkeit durch die Fotografie, von der mimetischen Wiedergabe der Wirklichkeit entfernt. Die verschiedenen avantgardistischen Bewegungen bildeten ihre Gegenstände nicht mehr ab, sie strebten nicht nach einer Nachahmung der Realität, sondern entwickelten Darstellungsformen, die eine eigene Realität des Kunstwerks betonen sollten. Auf die Transformationen der Abstrakten Kunst folgte im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg eine weitere, radikale Veränderung: Durch die Aufgabe der zweidimensionalen Bildoberfläche entstand in der Kunst ein ganz neues Raumkonzept.

Alberto Burri war einer der ersten, der auf die klassischen Mittel der Malerei verzichtete und die Verwendung kunstfremder Materialen einführte. Der Schock, den seine Werke auf der Biennale in Venedig und auf der documenta in Kassel auslösten, als er in den frühen Fünfzigerjahren, lange vor Joseph Beuys, erstmals Sackleinen, Teer und Schimmel zu Bildkompositionen zusammenfügte, lässt sich heute kaum mehr nachvollziehen. Auf die frühen Werkzyklen, die nach dem jeweils verwandten Material Sacchi (Säcke), Ferri (Eisen) oder Legni (Hölzer) genannt werden, folgten in den Sechzigerjahren die Combustioni plastiche, Arbeiten mit zerschmolzenem und verbranntem Plastik, die je nach Farbabstufung an offene Wunden oder verschmutzte Verbände denken lassen.

Alberto Burri studierte Medizin und war während des Zweiten Weltkriegs für die italienische Armee als Arzt an der nordafrikanischen Front eingesetzt. Erst während der Zeit in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager in Texas begann er zu malen und fasste den Entschluss, nach seiner Freilassung den Arztberuf aufzugeben. Seit seiner Rückkehr nach Italien 1946 lebte er als Künstler.

Kein Kommentar zu seiner Kunst kommt ohne den biographischen Verweis aus. Unweigerlich werden seine Werke mit den Kriegserlebnissen, den Erfahrungen von Verletzung, Verwundung, dem Leiden und Sterben in den Feldlazaretten in Verbindung gebracht. Doch greift eine symbolische Interpretation seiner Werke zu kurz: Burri war nicht an einer Repräsentation des erfahrenen Leids interessiert, er beschwor es nicht zur mahnenden Erinnerung. Ebenso wenig verband sich der Gebrauch der verschiedenen Materialien für Burri mit der Illusion, deren Ausdruckscharakter sei über jede Formgebung erhaben. Im Gegenteil: Für Burri fand das Material erst in der künstlerischen Gestaltung seinen Ausdruck.

Besonders deutlich zeigt sich Burris Wille zur Form im Werkzyklus der Cretti (Risse). Die meisten seiner weißen oder schwarzen Rissbilder entstanden in den Jahren zwischen 1973 und 1976, häufig handelt es sich um Acryl auf Hartfaserplatte. Die Cretti erinnern je nach Farbgebung an ausgebrannte, verkohlte Oberflächen oder an in der Sonne ausgetrocknete, aufgeplatzte Erde, sie wecken Assoziationen von einem Grund, der brüchig ist, in Fragmente zerfällt. Allerdings werden die naturalistischen Anklänge durch Burris Bearbeitung transzendiert, der Sinn des Kunstwerks liegt allein in der von ihm geschaffenen Form. Seine Intension bestand nicht darin, das Auseinandergebrochene wieder zusammenzufügen, es ging ihm nicht um eine Restauration. Burri suchte vielmehr die Bruchstücke, das vorgefundene Material in eine neue Form zu bringen, er wollte etwas Neues vorstellen, neue Möglichkeiten stiften, ohne die Erinnerung an das Vergangene auszulöschen.

Seinen wirkmächtigsten Ausdruck fand die Idee im Grande Cretto Gibellina, einem circa achttausend Quadratmeter umfassenden Feld aus weißen Betonfragmenten im Südwesten Siziliens. Errichtet wurde der begehbare Cretto über den Ruinen der bei einem Erdbeben im Winter 1968 völlig zerstörten Stadt Gibellina.

Institutionelle Ebene: Programme des Studium Generale an den Universitäten

Begründungs- und Legitimationsebene: Studium Generale in wissenschaftlichen Organen und Diskussionen

Politische Ebene: Beschlüsse, Empfehlungen, Gutachten bildungspolitischer Organe